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Storyteller: Thomas Goos „De Goosinger“
STORY : PETRA BLANK
Als kleiner Junge wollte er zur Marine. Das ging nicht, weil er einen Augenfehler hat. Dann wollte er Förster werden,das ging auch nicht. Also sagt er sich: „Na gut, dann mache ich eben Bilder.“ Denn Fotografieren hat ihn immer interessiert.
Tja, und eigentlich war alles ganz einfach. Erst ein Praktikum, dann Modefotografie in München, mit Foto-Models arbeiten – genau seine Welt. Es folgte eine klassische Fotografenausbildung und schon war er im Geschäft. „Seitdem bin ich Reklame-Fotograf“, erzählt er. „Klassische Werbung – Möbel, Autos, solche Sachen. Das hat mir immer Spaß gemacht.“ Er ist für die unterschiedlichsten Kunden im Einsatz und die Ergebnisse finden wir zum Beispiel in unserem Briefkasten: als Katalog, als Anzeige, als Werbebeilage.
Aber als Ausgleich zum Arbeitsalltag eines Werbe-fotografen braucht er die anderen Arbeiten, die freien Projekte: Dann will er Dinge und Situationen zeigen, wie sie andere vielleicht nicht sehen können. Fotografiert ungewöhnliche Menschen, Freaks, besondere Situationen – und freut sich über die Geschichten, die er darin entdeckt.
Fotografieren heißt mit Bildern sprechen Thomas erklärt das so: „Normalerweise arbeitest du als Fotograf im Auftrag deiner Kunden, du machst also das, was die Kunden wollen. Aber man hat ja auch noch seine eigenen Ideen, seine eigenen Vorstellungen – deshalb die freien Projekte.
Zum DYNAMITE! bin ich per Zufall gekommen, weil ich Eric, den Art Director, kenne. Der fragte mich, ob ich Lust hätte, mal was anderes zu machen, nämlich fürs DYNAMITE! zu fotografieren. Allerdings gab es kein Budget. Ich wollte ihm trotzdem den Gefallen tun, denn Geld ist nicht so wichtig, wenn etwas wirklich Spaß macht. Von der Szene hatte ich zwar keine Ahnung, aber die Musik fand ich schon immer klasse. Ja, und seitdem bin ich dabei – mit ganzem Herzen.“
Beim Boxen ergab es sich ähnlich zufällig:Thomas wurde von Freunden zu einem Kampf eingeladen – und aus Mangel an Alternativen für den Abend ging er mit. Er lernte dort Leute kennen wie Sven Ottkeund Markus Bayer, und war sofort fasziniert: „Dass da Leute in den Ring steigen und sich gegenseitig auf die Fresse hauen ... Und eigentlich geht es denen dabei nicht um die Kohle, sondern um Ehre und Männlichkeit.“ Es begeistert ihn, dass er dort hinter die Kulissen schauen und mit seinen Bildern aus dieser Welt erzählen kann.
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Leidenschaft für alles, was eine Geschichte hat.
Wenn man sich seine Fotografien anschaut, fallen die vielen Fliegerbilder auf. Kein Wun- der, denn das Fliegen ist seine persönliche Leidenschaft. Oder sagen wir besser: Eine seiner Leidenschaften. „Ich bin 14 Jahre selbst aktiv geflogen. Die Fliegerei, der Himmel und die Technik haben mich schon immer fasziniert; ich liebe Maschinen, die Krach machen.“
Auch da hat es sich einfach so ergeben: Thomas lernte Leute kennen, die luden ihn zu Flugtagen ein, und schon war er angefixt. „Luft und Freiheit und Abenteuer, das steckt da alles drin“, erzählt er uns. „Und natürlich muss ich fotografieren, wenn ich an solche Motive wie diese alten Flugzeuge komme. Das sind Objekte mit Flair und Geschichte. Und darauf kommt es eben an. Ich freue mich auch, wenn Leute sagen: „Ich habe deine Fotos gesehen, ist ja ‘ne tolle Geschichte“ – obwohl ich ja gar nichts geschrieben habe, sondern nur meine Bilder erzählen lasse.“
Der Fotograf hat auch ein Faible für Motor- räder, speziell für Harley Davidson. Natürlich fährt er selber eine, zur Zeit eine „Dyna“. Er ist eben ein Mensch, der gerne draußen ist, und gerne unterwegs. „Mir hat mal jemand gesagt, ich wäre wie ein Schmetterling: Kaum säße ich irgendwo, hätte ich Hummeln im Hintern und wollte wieder weg.“
Schnell, bewegt – und immer aus dem Bauch heraus.
Seine freien Arbeiten zeigen oft besondere Stimmungen und auch Bewegungsun- schärfen, aber das liegt weniger an der Technik, sondern vielmehr an seiner Sicht- weise. Meist versucht er, mit dem vorhan- denen Licht zu arbeiten – avalaible light, wie man so schön sagt. Um die ganze Situation einzufangen. Zum Beispiel beim Boxen: Da es sich hier nicht um Auftrags- arbeiten handelt, müssen die Bilder auch nichts Bestimmtes zeigen. Er kann sich auf die Handlung insgesamt und auf die Stimmung konzentrieren, kann stiller Beobachter sein. „Ich fotografiere dann einfach frei Hand, also aus der Hüfte heraus, mit dem vorhandenen Licht. Deshalb wirken diese Bilder so echt. Beim DYNAMITE! brauche ich allerdings ein bisschen Extra-Licht, da geht es ja auch um Produkte, die gezeigt werden sollen, in diesem Fall eben die Kla- motten.“
Trotzdem agiert er auch beim DYNAMITE!- Shooting immer aus dem Bauch heraus: „Ich kenne die Models vorher nicht und lasse das Ganze auf mich zukommen.
Wenn die Models gut sind – und das waren sie bis jetzt immer, echt ganz tolle Leute –, dann fällt mir was ein. Eric und ich ent- wickeln eine kleine Story, die Models lassen sich auf unsere Ideen ein und gestalten das mit. Es ergibt sich einfach – und das macht meine Art von Fotografieren auch aus. Deshalb bringt mir diese Sache extrem viel Spaß – auch wenn es ein ehrenamtli- cher Job ist, sozusagen im Dienste des Rock’n’Roll.“

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